
Erfolgsmodell für Klimaschutz, Landwirtschaft und private Investoren
Ökologisch überzeugend und wirtschaftlich attraktiv: Die 2025 im niedersächsischen Varel errichtete Moor-PV-Anlage mit 38,8 MWp auf ca. 50 Hektar gilt bereits als Vorzeigeprojekt für staatlich abgesicherte private Investitionen in die Energiewende. Ein besonderes Element der Anlage: 1 ha der Fläche wird als Agri-PV mit Tierhaltung genutzt. Schafe können somit unter einer Teilanlage grasen – ein Modell, das landwirtschaftliche Nutzung und Energieerzeugung ideal kombiniert.
Dass Genehmigungen und Umsetzung nicht zwangsläufig jahrelang dauern müssen, belegt der Umstand, dass der ursprünglich für das dritte Quartal 2026 geplante Netzanschluss bereits im Dezember 2025 erfolgte.
Warum Moor-PV funktioniert: Synergien aus Wiedervernässung und Solarenergie
Um den Erfolg des Projekts zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf die ökologische wie ökonomische Logik: Wiedervernässte Moore binden enorme Mengen CO₂, fördern Artenvielfalt und stabilisieren den Wasserhaushalt. Gleichzeitig ermöglicht die Installation von Photovoltaikanlagen eine neue, nachhaltige Nutzungsperspektive für Landwirte – ohne zusätzlichen Flächenverbrauch. Diese Kombination schafft eine klimaschonende, langfristig wertstabile Nutzung der Flächen.
Warum Moore wiedervernässt werden – und warum Moor-PV Sinn ergibt
Die Region Varel gehört zu den Gebieten, in denen entwässerte Moorflächen gezielt wiedervernässt werden, um aktiv zum Klimaschutz beizutragen. Denn intakte Moore gehören zu den wirksamsten CO₂-Speichern: Pro Flächeneinheit lagern sie teils doppelt so viel Kohlenstoff ein wie Wälder, während trockengelegte Moore zu den größten Einzelquellen von Treibhausgasen in Deutschland zählen.
Darüber hinaus erfüllen Moore weitere zentrale ökologische Funktionen: Sie stabilisieren den regionalen Wasserhaushalt, dienen als natürliche Filter für Nähr- und Schadstoffe und bieten spezialisierten Tier- und Pflanzenarten wertvolle Lebensräume.
Mit der Wiedervernässung ändern sich zugleich traditionelle Nutzungsmöglichkeiten – und eröffnen neue Perspektiven wie die Kombination aus Moorrevitalisierung und Photovoltaik. Solarparks auf diesen Flächen bieten Landwirten ein tragfähiges wirtschaftliches Nutzungsmodell, erzeugen CO₂-freien Strom und verstärken so die positive Klimawirkung der Flächen.
Wer steckt dahinter?
Getragen wird das Projekt vom Zusammenspiel regionaler Expertise und professioneller Projektentwicklung: Die Landwirte Andreas Rengstorf und Lars Kaper stellen die Flächen, bringen Ortskenntnis ein und haben die Flächenkulisse zusammenhängend gesichert. WI Energy verantwortet Planung, Bau, Finanzierung und Management. Die Pachtverträge laufen 30 Jahre – und auch danach ist Repowering möglich.
Die Herausforderungen – und wie sie gelöst wurden
Der Bau der Anlage startete im Februar 2025 – und verlief schneller, technisch anspruchsvoller und innovativer als viele vergleichbare Projekte:
- Bodenbedingungen: Sehr saurer Moorboden (pH-Wert um 4) machte Spezialbeschichtungen nötig, da Standardverzinkungen nicht standgehalten hätten.
- Bau & Logistik: Der Moorboden erforderte Baustraßen und besondere Gründungen (Rammtiefe bis 5 m).
- Netzanbindung: Der Anschluss liegt ca. 7 km entfernt. Die Kabeltrasse erforderte intensive Abstimmungen und Gestattungsverträge mit zahlreichen Eigentümern.
- Schwerlastlogistik: 18 bis zu 25 Tonnen schweren Trafostationen mussten teilweise per Traktor transportiert werden – klassische Schwerlaster wären im Moor versackt.
- Moderne Technik: Eingesetzt wurden bifaziale Module, die zusätzlich reflektiertes Licht der nassen Mooroberflächen nutzen und dadurch höhere Erträge erzielen.
- Zeitgewinn: Der Bau der Kabeltrasse erfolgte parallel zur Modulinstallation; der Netzanschluss wurde gleichzeitig zur Fertigstellung realisiert.
- Naturschutz: Die bodenkundliche Baubegleitung der unteren Naturschutzbehörde stellte sicher, dass Boden und Ökosysteme geschützt wurden.
Ergebnis: Eine der schnellsten technischen Realisierungen dieser Größenordnung.
Beteiligungsstruktur: Bürgernah, transparent, finanziell attraktiv
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor des Projekts ist die breit angelegte Beteiligungsstruktur zur Finanzierung der Anlage. WI Energy setzt seit vielen Jahren konsequent auf Bürgerbeteiligung – auch in Varel. Bereits in einer frühen Projektphase konnten sich lokale Bürgerinnen und Bürger beteiligen, etwa über Realeigentum, Direktbeteiligungen oder Crowdfunding. Erst danach wurde die Vermarktung bundesweit geöffnet, was die hohe lokale Akzeptanz zusätzlich stärkte.
Anfang 2025 startete die Vermarktung mit verschiedenen Investitions- und Beteiligungsmodellen, die der Finanzierung der Anlage dienen. Sie standen sowohl den beteiligten Landwirten und lokalen Privatinvestoren – organisiert in einer Genossenschaft – als auch überregionalen Anlegern offen. Viele Investoren nutzten staatliche Förderinstrumente wie den Investitionsabzugsbetrag (IAB) oder Sonderabschreibungen. Dass das Modell wirtschaftlich solide ist, bestätigen erfolgreich absolvierte Prüfprozesse unabhängiger Finanzberater. Entsprechend groß war das Interesse: Die Anlage fand Anlegerinnen und Anleger aus ganz Deutschland.
Ertragsmechanismen – und Sicherheit für Anleger
Die Stromvergütung, die die Basis für die Anlegererträge bildet, wurde im EEG-Ausschreibungsverfahren gesichert – einschließlich der erhöhten Vergütungs-höchstwerte für besondere Solaranlagen mit zusätzlichem Klimanutzen. Liegt der Marktwert an der Strombörse unter dem für 20 Jahre zugesagten EEG-Wert, gleicht das EEG-Fördersystem die Differenz aus.
An besonders sonnigen Tagen, an denen Überkapazitäten zu negativen Preisen führen können, greift ein zusätzlicher Schutzmechanismus: Die EnBW vergütet den durchschnittlichen Monatspreis an der Strombörse und federt damit negative Preise ab.
Für die Anleger gab es zudem eine überraschend frühe positive Nachricht: Die Anlage ging bereits im Dezember 2025 ans Netz und Erträge mit finaler Inbetriebnahme werden seit Januar 2026 erwirtschaftet – und damit mehr als ein halbes Jahr früher als ursprünglich geplant. Erwartet wird auf Basis des EEG-Vergütungssatzes eine Basis-Bruttorendite von 7,42 % p. a. vor laufenden Kosten.
Wer konnte mitmachen?
Die Nachfrage war groß – von lokalen Landwirten bis zu privaten Investoren deutschlandweit.
Für die Direktbeteiligung mit Realeigentum wurden rund 122 Verkaufseinheiten gebildet, deren Preise zwischen 116.728,69 Euro und 155.635,58 Euro lagen. Jede dieser Einheiten repräsentiert ein klar abgegrenztes Stück der Gesamtanlage. Eigentum und Energieerzeugung werden für jeden Investor separat ausgewiesen – transparent und technisch präzise.
Ein Smart Metering-System erfasst die Stromproduktion jeder Einheit in Echtzeit. Das ermöglicht maximale Transparenz, eine exakte Abrechnung und steuerliche Vorteile durch klare Zuordnung der Erträge.
Mit einer jährlichen Stromproduktion von 39.954.139,40 kWh und einer CO₂-Einsparung von 23.333 Tonnen pro Jahr zeigt das Projekt, wie wirkungsvoll lokal verankerte Beteiligungsmodelle die Energiewende unterstützen können.
Ein Modell mit Zukunft
Das Moor-PV-Projekt in Varel zeigt, wie Energiewende heute funktionieren kann: ökologisch wertvoll, wirtschaftlich stark und sozial breit getragen. Wiedervernässte Moore schützen das Klima, Solarmodule liefern grünen Strom – und Bürgerinnen und Bürger profitieren direkt davon.
Varel zeigt: Die Energiewende ist möglich. Schnell. Regional. Smart.
Wie geht es 2026 weiter bei WI Energy?
Speicherlösungen spielen künftig eine zentrale Rolle in den Projekten der WI Energy. Sie werden sowohl in bestehenden Anlagen nachgerüstet als auch in neuen Freiflächenprojekten direkt mitgebaut.
Speicher glätten Zeiten hoher Einspeisung, stabilisieren das Netz und können die Wirtschaftlichkeit zusätzlich verbessern. Anleger können künftig neben PV-Modulen, Wechselrichtern und Unterkonstruktionen auch Speicher-Racks erwerben. Das Speichergebäude und die übergeordnete Infrastruktur bleiben im Eigentum von WI Energy.
Es gibt zwei Speicherkonzepte:
- Grünstromspeicher speichern den Strom direkt an der PV-Anlage.
- Graustromspeicher beziehen Strom aus dem Netz, speichern ihn marktpreisoptimiert ein und speisen ihn wieder aus, wenn die Preise steigen.
Beide Varianten tragen dazu bei, erneuerbare Energien effizienter zu nutzen und die Erlösmöglichkeiten zu stabilisieren.


